Manche Orte erzählen ihre Geschichte von selbst. Das Grundstück An der Dolzke in Lehde ist so ein Ort. Wer hier ankommt – zu Fuß, mit dem Rad oder per Kahn über den Lehder Graben, wie es Generationen vor ihm taten – spürt, dass dieses Ensemble aus Wohnhaus, Scheune und kleinen Nebengebäuden nicht von gestern ist.
Das ist es auch nicht. Das Grundstück ist seit 1750 bebaut. Was sich hier über Jahrhunderte erhalten hat, ist selten genug, um heute unter dem Schutz des Landes Brandenburg zu stehen – und selten genug, um Maler, Fotografen und Verlage selbst zu Zeiten des Eisernen Vorhangs immer wieder an diesen Fleck zu ziehen.
Die Gemälde
Der dänische Landschaftsmaler Peder Mørk Mønsted (1859–1941) gehört zu den bedeutendsten Realisten seiner Zeit. Er bereiste Europa, Nordafrika und den Nahen Osten – und kam zwischen 1909 und 1921 mehrfach in den Spreewald. Nachweislich malte er in Lehde; signierte Werke tragen den Zusatz „Lehde 1913“. Sein Gemälde Going to Market (1911) zeigt das Grundstück an der Dolzke vom sogenannten Malerblick in Lehde aus – dem Aussichtspunkt, von dem aus Wasserläufe und alte Katen besonders eindrucksvoll zu sehen waren.
Auch der Berliner Maler Bruno Moras (1883–1939), Sohn des bekannten Landschaftsmalers Walter Moras, wählte das Anwesen als Motiv. Sein Werk Blick in den Spreewald zeigt das Ensemble in der für diese Zeit typischen Lichtstimmung.
Ein drittes Gemälde zeigt das Grundstück aus einer etwas anderen, näheren Perspektive. Der Maler ist nicht bekannt; das Werk ist undatiert. Es ist eines der wenigen malerischen Zeugnisse, das wohl aus den ersten Dekaden des vorherigen Jahrhundert stammt.
Die Postkarten
Ab spätestens den 1930er Jahren erschien das Ensemble auf Postkarten zahlreicher Verlage – und hörte damit über fünf Jahrzehnte nicht auf. Die ältesten belegten Karten stammen von Hermann Striemann (Cottbus, Nr. 321, gelaufen 1934, Bildunterschrift: „Spreewaldbilder – Alte Gehöfte in Lehde“) und Otto Schökel (Cottbus, Nr. 12, gelaufen 1934). Beide wurden von Lübbenau aus verschickt – von Besuchern, die das Grundstück sahen und eine Karte nach Hause schickten.
Es folgten Auflagen von Arthur Redecker (Berlin-Tempelhof), Verlag Jank (Burg/Spreewald), Willy Klautzsch (Magdeburg) sowie jahrzehntelang und in großer Auflage vom VEB Bild und Heimat Reichenbach – dem wichtigsten Ansichtskartenverlag der DDR. Gleichzeitig erschien das Motiv bei westdeutschen Verlagen wie De Beeke (Schwanewede) und Graphokopie H. Sander KG (West-Berlin). Insgesamt sind 13 Postkarten von mindestens 10 verschiedenen Verlagen belegt – von der Weimarer Republik bis in die 1980er Jahre, diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs. Und: seit kurzem ist in Lübbenau auch eine Postkarte erhältlich, die das aktuelle Anwesen zeigt.
Das Puzzle
1982 erschien das Ensemble als Ravensburger-Puzzle – Titel: Im Spreewald, Art.-Nr. 6255680, bestätigt durch das Unternehmensarchiv Ravensburg. Wer es damals zu Weihnachten geschenkt bekam, puzzelte dieses Grundstück zusammen, ohne es zu wissen.
Lehde ist kein gewöhnliches Dorf. „Über'm Wasser“ fahren Autos nicht. Wer diese Gehöfte erreichen will, nimmt den Kahn – so wie die Spreewälderinnen und Spreewälder es seit Jahrhunderten tun, wenn sie zum Markt fahren oder Gemüse ernten. Zu Fuß oder per Rad geht es über Brücken.
Das Dorf gehörte zur Herrschaft Lübbenau und wuchs langsam. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts lebten hier kaum mehr als ein Dutzend Menschen. Kolonisten erschlossen neue Flächen, Fischerei und Gemüseanbau ernährten die Familien. Am Beginn des 20. Jahrhunderts zählte Lehde rund 300 Einwohner. Heute ist das gesamte Dorf als Denkmalbereich geschützt – eines der wenigen Ensembles in Deutschland, das traditionelle sorbische Bau- und Siedlungsformen in dieser Vollständigkeit bewahrt hat.
Das Herzstück des Grundstücks ist die Scheune. Der lang gestreckte Blockbohlenbau mit seinen verkämmten Hausecken, den zweiflügeligen Holztüren und dem charakteristischen Satteldach steht seit 2011 als Einzeldenkmal in der Denkmalliste des Landes Brandenburg.
Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) begründet die Eintragung mit geschichtlicher, volkskundlicher und städtebaulicher Bedeutung: Das Gebäude sei „anschauliches Beispiel eines in traditioneller Bauweise errichteten Stall- und Scheunengebäudes, von dem in dieser Größe und Ursprünglichkeit in Lehde nur noch wenige vergleichbare Bauten erhalten sind.“
Dendrochronologie: Hölzer aus der Zeit Napoleons
Ein dendrochronologisches Gutachten datierte die Schwellenhölzer auf den Winter 1804/05 – die Hölzer wurden also gefällt, als Napoleon Europa neu ordnete. Sie stehen heute noch. An den Giebeln befinden sich gekreuzte Stirnbretter, die sogenannten „Schlangenköpfe“. Im Spreewald gelten sie noch heute als Schutz gegen böse Geister.
Die gesamte Bebauung des Grundstücks ist zudem Teil des als Denkmalbereich geschützten Dorfes Lehde – auch Haus anno 1750 und Bienenhaus wurden unter Auflagen des Denkmalschutzes saniert.
2011 war es höchste Zeit. Die Gebäude hatten Jahrzehnte ohne größere Eingriffe überstanden – ein Glück für die historische Substanz, aber kein Dauerzustand. Die Scheune, das Einzeldenkmal, stand kurz vor dem Zerfall: Tragwerk geschwächt, Fundamente unterspült, die Bausubstanz an mehreren Stellen akut gefährdet.
Unter Begleitung der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Oberspreewald-Lausitz begannen die Arbeiten. Geplant vom Planungsbüro Jochintke, Calau; ausgeführt von der Zimmerei Maschen aus Ragow (Lübbenau). Die beiden großen Gebäude wurden vollständig zurückgebaut und neu gegründet – behutsam, materialgerecht, mit dem Ziel, die historische Substanz für die nächsten Generationen zu sichern.
Warum haben Haus anno 1750 und Scheune kein Reetdach?
Aus Brandschutzgründen. Da die Gebäude weniger als 15 Meter voneinander entfernt stehen, untersagte die Baubehörde eine Reetdeckung. Reet brennt – und in dieser Nähe würde ein Dachbrand das gesamte Ensemble gefährden. Das Bienenhaus, das etwas abseits steht, durfte sein Reetdach behalten.
Die Finanzierung wäre ohne Förderung nicht möglich gewesen. Das EU-LEADER-Programm für ländliche Entwicklung unterstützte das Projekt im Rahmen der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) des Wirtschaftsraums Spreewald. Das Ergebnis wurde vom Spreewaldverein als Modellprojekt für qualitätsvollen Tourismus im ländlichen Raum anerkannt.
2012 waren Scheune und Haus anno 1750 fertig. 2014 folgte die Sanierung des Bienenhauses. 2020 wurde das Ensemble durch ein kleines Nebengebäude für Verwaltungszwecke vervollständigt.
Was heute als Ferien am Fließ Gäste empfängt, ist das Ergebnis dieser Arbeit: ein Ort, der seine Geschichte trägt.
Weitere Eindrücke von der Sanierung
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1751Erstbebauung
Das erste Gebäude ist fertiggestellt
Das Wohn- Stallgebäude – das spätere Haus anno 1750 – kann genutzt werden. Es entstand in der für den Spreewald typischen Blockbohlen- und Massivbauweise auf dem Grundstück An der Dolzke in Lehde.
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1804/05Scheune
Die Scheune – Hölzer aus der Napoleon-Zeit
Die Scheune wird in traditioneller Blockbohlenbauweise errichtet. Dendrochronologie datiert die Schwellenhölzer auf Winter 1804/05. Am Nordgiebel: gekreuzte Stirnbretter (Schlangenköpfe) als Schutz gegen böse Geister.
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1909 – 1921Kunst
Peder Mørk Mønsted malt in Lehde
Der dänische Landschaftsmaler Mønsted (1859–1941) malt Going to Market (1911) mit dem Grundstück An der Dolzke. Auch Bruno Moras hält das Ensemble fest.
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1930er – 1993Postkarten
19 Postkarten – Ost und West
Das Ensemble erscheint auf Postkarten von mindestens 10 Verlagen. Erste belegte Karte: Hermann Striemann, Cottbus, 1934.
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1981Bienenhaus
Das Bienenhaus entsteht
Nach einem Bausatz namens „Bienenhaus“ wird ein drittes Gebäude errichtet. Es erhält später ein Reetdach.
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1982Puzzle
Ravensburger-Puzzle Art.-Nr. 6255680
Das Grundstück erscheint als Ravensburger-Puzzle „Im Spreewald“ – bestätigt durch das Unternehmensarchiv Ravensburg.
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2011Denkmalschutz
Eintragung als Baudenkmal
Die Scheune wird als Einzeldenkmal in die Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragen. Haus anno 1750 als Teil des Denkmalbereichs Lehde.
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2012 – 2014Sanierung · EU-LEADER
Vollständiger Rückbau und Neuaufbau
Planungsbüro Jochintke (Calau) und Zimmerei Maschen (Ragow) sanieren alle drei Häuser – denkmalgerecht, mit EU-LEADER-Förderung.
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2013DTV-Auszeichnung
5 Sterne
Der Deutsche Tourismusverband (DTV) zeichnet Haus anno 1750 mit 5 Sternen aus. Ferien am Fließ öffnet.
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2020Erweiterung
Ensemble vervollständigt
Ein kleines Nebengebäude vervollständigt das Ensemble. Das Grundstück An der Dolzke ist heute eine Ferienanlage mit drei Häusern für bis zu 12 Personen.
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2026Marke
»Ferien am Fließ« – eingetragene Marke
Am 21. Mai 2026 trägt das DPMA »Ferien am Fließ« als Marke ein – Nr. 30 2026 223 815. Inhaber: Achim Schöbel, Leipzig.
Das Grundstück An der Dolzke 11a ist heute eine Ferienanlage mit drei Häusern für bis zu 12 Personen – auf einer kleinen Insel im Biosphärenreservat Spreewald, umgeben von Fließen, ohne Autoverkehr, mit eigenem Hafen.
Die Scheune, das Einzeldenkmal, ist das außergewöhnlichste der drei Häuser: Blockbohlenwände, Kamin, Sauna, 1,50 Meter zum eigenen Hafen. Hier schläft man in einem Gebäude, das 1804 gezimmert wurde und das das Land Brandenburg für bedeutsam genug hält, um es zu schützen.
Manchen Gästen ist das egal. Anderen ist es genau der Grund, warum sie kommen.
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1750 Erstbebauung
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3 künstlerische Gemälde
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19+ Postkarten, 10+ Verlage
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Ravensburger-Puzzle im Jahr 1982
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1804/05 Holzdatierung Scheune
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5 Sterne des DTV im Jahre 2013 für Haus Anno 1750
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Eingetragene Marke seit 2026
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bis 12 Personen in 3 Häusern
Wann wurde das Grundstück erstmals bebaut?
Das Grundstück An der Dolzke 11A ist seit 1750 bebaut - zunächst mit dem Wohn-/Stallgebäude, dem heutigen Haus Anno 1750. Die Scheune wurde nach dendrochronologischen Befunden im Winter 1804/05 gezimmert – die Hölzer wurden gefällt, als Napoleon Europa neu ordnete.
Welcher berühmte Maler hat das Grundstück gemalt?
Der dänische Landschaftsmaler Peder Mørk Mønsted (1859–1941) malte Going to Market (1911) mit dem Grundstück An der Dolzke. Auch Bruno Moras (1883–1939), Sohn des Spreewaldmalers Walter Moras, hielt das Anwesen in Öl fest. Ein drittes Gemälde stammt von einem unbekannten Maler.
Was hat es mit dem Ravensburger-Puzzle auf sich?
1982 erschien das Grundstück als Ravensburger-Puzzle „Im Spreewald“, Art.-Nr. 6255680 – bestätigt durch das Unternehmensarchiv Ravensburg. Wer es damals zu Weihnachten bekam, legte dieses Grundstück zusammen, ohne es zu wissen.
Was sind die „Schlangenköpfe“ an den Giebeln?
Gekreuzte Stirnbretter– im Volksmund „Schlangenköpfe“ genannt. Im Spreewald galten sie traditionell als Schutz gegen böse Geister. Sie sind ein typisches Element der sorbischen Holzbauarchitektur und heute noch an den Gebäuden zu sehen.
Warum haben Haus anno 1750 und Scheune kein Reetdach?
Aus Brandschutzgründen. Da die Gebäude weniger als 15 Meter voneinander entfernt stehen, untersagte die Baubehörde eine Reetdeckung. Das Bienenhaus, das etwas abseits steht, durfte sein Reetdach behalten.
Wer hat die Sanierung geplant und durchgeführt?
Geplant vom Planungsbüro Jochintke in Calau, ausgeführt von der Zimmerei Maschen aus Ragow (Lübbenau). 2012–2013 für Haus anno 1750 und Scheune, 2014 für das Bienenhaus – stets unter Begleitung der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Oberspreewald-Lausitz.
Wann wurde »Ferien am Fließ« eine eingetragene Marke?
Sie wurde am 29. April 2026 angemeldet und am 21. Mai 2026 vom Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) eingetragen – Marke Nr. 30 2026 223 815.